Ein ziehender oder brennender Schmerz an der Rückseite des Unterschenkels oberhalb der Ferse, der zu Beginn der Bewegung besonders spürbar ist, deutet häufig auf eine gereizte Achillessehne hin. Die Achillessehne ist die stärkste Sehne des Körpers, wird beim Gehen, Laufen und Springen enorm beansprucht und reagiert auf Überlastung empfindlich. Für Läufer und aktive Menschen kann eine Achillessehnenentzündung zur echten Geduldsprobe werden, doch mit der richtigen Behandlung lässt sie sich in den meisten Fällen ohne Operation in den Griff bekommen.
Dieser Ratgeber erklärt, wie eine Achillessehnenentzündung entsteht, an welchen Symptomen Sie sie erkennen, wie die Diagnose gestellt wird und welche Behandlungen wirklich helfen. Sie erfahren außerdem, welche Übungen sinnvoll sind und wie Sie einer erneuten Reizung vorbeugen.
Was ist eine Achillessehnenentzündung?
Die Achillessehne verbindet die Wadenmuskulatur mit dem Fersenbein und überträgt die Kraft, die wir zum Abrollen des Fußes und zum Abstoßen benötigen. Bei einer Achillessehnenentzündung, medizinisch Achillodynie oder Achillessehnen-Tendinopathie, kommt es zu einer schmerzhaften Reizung der Sehne oder ihres Ansatzes am Fersenbein. Häufig handelt es sich weniger um eine klassische Entzündung als um eine Überlastungsreaktion mit Gewebeschäden.
Man unterscheidet Reizungen im mittleren Bereich der Sehne von Beschwerden direkt am Ansatz an der Ferse. Diese Unterscheidung ist für die Behandlung wichtig, da sich die Übungen und Maßnahmen je nach Lokalisation leicht unterscheiden. Gemeinsam ist beiden, dass die Sehne ihre Belastbarkeit verliert und auf die gewohnte Belastung mit Schmerzen reagiert.
Wie sie entsteht
Die Hauptursache ist eine Überlastung der Achillessehne, häufig durch einen zu schnellen Anstieg des Trainingsumfangs oder der Intensität. Wer Laufumfang, Tempo oder Bergtraining zu rasch steigert, überfordert das Sehnengewebe, das sich nur langsam an höhere Belastungen anpasst. Auch das Laufen auf hartem Untergrund, ungeeignetes Schuhwerk und unzureichende Erholung zwischen den Belastungen spielen eine Rolle.
Hinzu kommen auch individuelle Faktoren wie eine verkürzte Wadenmuskulatur, Fehlstellungen des Fußes, eine schwache Fuß- und Wadenmuskulatur und muskuläre Dysbalancen. Mit zunehmendem Alter nimmt die Belastbarkeit der Sehne zudem natürlicherweise ab. Häufig wirken mehrere dieser Faktoren zusammen, weshalb die Behandlung nicht nur den Schmerz, sondern auch die zugrunde liegenden Ursachen berücksichtigen muss.
Typische Symptome
Kennzeichnend ist ein Schmerz an der Achillessehne, der zu Beginn oft nur nach Belastung oder als Anlaufschmerz zu Beginn der Bewegung auftritt. Viele Betroffene bemerken den Schmerz besonders bei den ersten Schritten am Morgen oder nach längerem Sitzen. Schreitet die Reizung fort, kann der Schmerz während der gesamten Belastung und schließlich auch im Alltag bestehen bleiben.
Häufig ist die Sehne druckempfindlich und mitunter verdickt. Manche Betroffene bemerken eine morgendliche Steifigkeit oder ein Reibegefühl. Bleiben die Beschwerden bestehen oder verschlimmern sie sich, sollte die Sehne fachärztlich untersucht werden, denn eine unbehandelte, chronisch überlastete Achillessehne verliert weiter an Belastbarkeit und ist anfälliger für einen Riss.
Diagnose
Am Anfang stehen das Gespräch über die Belastung und den Verlauf der Beschwerden sowie die körperliche Untersuchung. Der typische Druckschmerz an der Sehne und der Zusammenhang mit der Belastung geben oft schon deutliche Hinweise. Der Facharzt prüft außerdem die Beweglichkeit des Sprunggelenks, die Spannung der Wadenmuskulatur und die Fußform.
Zur genauen Beurteilung der Sehne eignet sich die Ultraschalluntersuchung, die Verdickungen, Strukturveränderungen und Reizzeichen sichtbar macht. In manchen Fällen liefert eine Magnetresonanztomografie zusätzliche Informationen. Auf dieser Grundlage lässt sich die Behandlung gezielt planen und einschätzen, wie ausgeprägt die Reizung ist.
Konservative Behandlung
Die Behandlung der Achillessehnenentzündung erfordert vor allem Geduld und Konsequenz. Grundlage sind die Anpassung der Belastung und ein gezieltes Aufbautraining der Sehne. Als besonders wirksam gilt das exzentrische Krafttraining der Wadenmuskulatur, bei dem die Muskulatur unter kontrollierter Dehnung arbeitet und die Sehne schrittweise belastbarer wird. Ergänzend helfen Dehnübungen, eine vorübergehende Anpassung des Trainings und in manchen Fällen eine leichte Fersenerhöhung zur Entlastung.
Wie Sie Training und Belastung richtig dosieren und die Wadenmuskulatur kräftigen, erfahren Sie in unserem Bereich Sportmedizin und Prävention. Wichtig ist ein langsamer, gut geplanter Wiederaufbau der Belastung, denn zu frühe oder zu intensive Belastung führt häufig zu Rückschlägen. Kälteanwendungen können in der akuten Phase die Beschwerden lindern.
Moderne Verfahren bei hartnäckigen Beschwerden
Halten die Beschwerden trotz konsequenter konservativer Behandlung an, hat sich die fokussierte Stoßwellentherapie bewährt. Sie regt die Durchblutung und die Selbstheilung im gereizten Sehnengewebe an und kann gerade bei der chronischen Achillessehnenreizung neue Bewegung in die Behandlung bringen.
Als regeneratives Verfahren kann zudem die Eigenbluttherapie (ACP/PRP) erwogen werden, bei der körpereigene Wachstumsfaktoren die Regeneration der Sehne unterstützen sollen. In Kombination mit dem exzentrischen Training lässt sich so häufig eine deutliche Besserung erreichen. Eine Operation ist bei der Achillessehnenentzündung nur selten notwendig und kommt erst infrage, wenn alle konservativen Möglichkeiten über einen langen Zeitraum ausgeschöpft sind.