Wenn der Rücken schmerzt und klassische Therapien nur begrenzte Linderung bringen, fragen viele Menschen nach weitergehenden Optionen. Die ACP-Therapie – kurz für Autologes Conditioniertes Plasma – ist eine solche Behandlungsoption aus der regenerativen Medizin: Dabei wird aus Ihrem eigenen Blut ein wachstumsfaktorreiches Plasma gewonnen und gezielt in schmerzhafte Strukturen der Wirbelsäule injiziert. In der Orthopädie am Michel Dr. Kolle in Hamburg bieten wir diese Methode als Teil unseres regenerativen Behandlungskonzepts an – für Patientinnen und Patienten, die nach einer gut verträglichen, körpereigenen Alternative suchen.
In diesem Beitrag erfahren Sie, bei welchen Rückenbeschwerden die ACP-Behandlung eine Rolle spielen kann, wie der Ablauf aussieht, was die aktuelle Studienlage zeigt und worauf Sie bei der Entscheidung achten sollten.
Facettengelenke und Rückenschmerzen: Ein häufiges Beschwerdebild
Die Wirbelsäule ist ein komplexes System aus Wirbelkörpern, Bandscheiben, Bändern, Muskeln und kleinen Wirbelgelenken – den sogenannten Facettengelenken. Genau diese Facettengelenke sind häufig an wiederkehrenden Rückenschmerzen beteiligt, insbesondere im Bereich der Lendenwirbelssäule.
Mit zunehmendem Alter oder durch anhaltende Fehlbelastung können die Facettengelenke degenerieren: Der schützende Knorpel nimmt ab, Entzündungen entstehen, und die Gelenkkapsel wird gereizt. Betroffene spüren dann oft einen dumpfen, tief sitzenden Schmerz im unteren Rücken, der beim Aufstehen, beim Bücken oder nach längerem Stehen zunimmt. Typisch ist außerdem, dass sich die Beschwerden morgens nach dem Aufstehen zeigen und sich im Verlauf des Tages teils bessern.
Nicht immer steckt eine Bandscheibe hinter Rückenbeschwerden. Das sogenannte Facettensyndrom wird nach Schätzungen für 15 bis 45 Prozent aller chronischen Kreuzschmerzen verantwortlich gemacht (Manchikanti et al., 2010, PubMed PMID 20228954). Eine sorgfältige Diagnostik – einschließlich bildgebender Verfahren und gezielter diagnostischer Injektionen – ist deshalb entscheidend, um die Schmerzquelle zu identifizieren.
Was ist ACP? Eigenbluttherapie kurz erklärt
ACP steht für „Autologes Conditioniertes Plasma“. Der Begriff klingt technisch, beschreibt aber ein Prinzip, das sehr nah an den körpereigenen Heilungsmechanismen liegt: Aus einer kleinen Menge Ihres eigenen Blutes wird durch Zentrifugation ein Plasma gewonnen, das eine erhöhte Konzentration an Thrombozyten (Blutplättchen) enthält. Diese Blutplättchen setzen bei Aktivierung eine Vielzahl von Wachstumsfaktoren und entzündungsmodulierenden Botenstoffen frei.
ACP gehört zur Gruppe der plättchenreichen Plasma-Präparate (PRP, Platelet-Rich Plasma) und ist in Deutschland im Bereich der Orthopädie und Sportmedizin seit mehreren Jahren klinisch etabliert. Die Bezeichnungen ACP und PRP werden oft synonym verwendet; ACP ist ein spezifisches Herstellungsverfahren, das auf eine besonders schonende Aufbereitung abzielt.
Im Unterschied zur klassischen Cortison-Injektion enthält ACP keine körperfremden Wirkstoffe. Das reduziert das Risiko von Unverträglichkeitsreaktionen erheblich. Gleichzeitig ist die Wirkung nicht sofort spürbar – der Körper benötigt Zeit, um auf die applizierten Wachstumsfaktoren zu reagieren.
- Autologes Verfahren: Das Plasma stammt aus Ihrem eigenen Blut – keine Fremdsubstanzen
- Thrombozytenkonzentrat: Die Konzentration an Wachstumsfaktoren ist deutlich höher als im normalen Vollblut
- Ambulant durchführbar: Die Behandlung dauert in der Regel ca. 30 Minuten
- Keine Allgemeinästhesie notwendig
Wie wirkt ACP an der Wirbelsäule?
Wird das aufbereitete Plasma in ein geschädigtes Facettengelenk oder in die Nähe eines entzündeten Wirbelsäulenabschnitts injiziert, entfalten die darin enthaltenen Wachstumsfaktoren – darunter PDGF, TGF-β, VEGF und IGF-1 – ein komplexes Wirkspektrum. Sie können entzündliche Prozesse modulieren, die Zellproliferation anregen und die Aktivität knorpelaufbauender Zellen (Chondrozyten) beeinflussen.
Vereinfacht gesagt: Die Injektion gibt dem Gewebe ein konzentriertes Signal, körpereigene Reparaturprozesse zu aktivieren. Das unterscheidet den Ansatz grundsätzlich von rein symptomatischen Behandlungen wie Cortison, das zwar kurzfristig entzündungshemmend wirkt, aber keine strukturellen Heilungsreize setzt.
Wichtig zu verstehen ist jedoch, dass die ACP-Therapie kein Allheilmittel ist. Sie kann helfen bei degenerativen und entzündlichen Veränderungen an Facettengelenken, Bandscheiben und Weichteilen der Wirbelsäule – jedoch stets in Abhängigkeit vom Stadium der Erkrankung, dem allgemeinen Gesundheitszustand und der individuellen biologischen Reaktionsfähigkeit. In der Praxis für Orthopädie Am Michel Dr. Kolle werden Sie umfassend aufgeklärt, ob diese Therapie für Ihre Situation sinnvoll sein kann.
Wie läuft eine ACP-Behandlung am Rücken ab?
Der Ablauf einer ACP-Therapie am Rücken erfolgt ambulant. Nach einem ausführlichen ärztlichen Aufklärungsgespräch, in dem Ihre Beschwerden, Vorbehandlungen und Erwartungen besprochen werden, wird zunächst eine kleine Menge Blut aus einer Armvene entnommen – üblicherweise 9 bis 15 Milliliter, je nach verwendetem System.
Dieses Blut wird direkt in der Praxis zentrifugiert. Dabei trennt sich das thrombozytenreiche Plasma von den roten Blutzellen. Das so gewonnene ACP wird anschließend – meist unter Ultraschall- oder Bildwandlerkontrolle – präzise in die Zielstruktur an der Wirbelsäule injiziert. Die bildgebende Kontrolle stellt sicher, dass das Plasma tatsächlich am gewünschten Ort ankommt.
In den meisten Fällen werden mehrere Injektionen im Abstand von einer bis zwei Wochen durchgeführt – eine typische Therapieserie umfasst drei bis fünf Sitzungen. Unmittelbar nach der Injektion können eine leichte lokale Schwellung oder ein vorübergehendes Wärmegefühl auftreten, was als normale Reaktion gilt. Schwere Reaktionen sind selten.
Nach der Behandlung sollten Sie den behandelten Bereich für einige Tage schonen. Intensive körperliche Belastung des Rückens ist in den ersten 48 bis 72 Stunden nicht empfehlenswert. Unser Team in Hamburg gibt Ihnen klare Nachsorgeempfehlungen mit auf den Weg.
- Blutentnahme aus der Armvene (ca. 9–15 ml)
- Zentrifugation und Aufbereitung des Plasmas in der Praxis
- Injektion unter bildgebender Kontrolle (Ultraschall oder Bildwandler)
- Typischerweise 3-5 Sitzungen im Abstand von 1–2 Wochen
- Schonung für 48–72 Stunden nach der Injektion
Risiken, Nebenwirkungen und Nachsorge
Da bei der ACP-Therapie ausschließlich körpereigenes Material verwendet wird, ist das Risiko allergischer oder immunologischer Reaktionen sehr gering. Das macht das Verfahren zu einer in der Regel gut verträglichen Behandlungsoption.
Wie bei jeder Injektionsbehandlung sind dennoch Nebenwirkungen möglich: Vorübergehende Schwellung, Wärme oder Druckempfindlichkeit an der Injektionsstelle treten gelegentlich auf und klingen meist innerhalb von ein bis drei Tagen ab. In seltenen Fällen können sich lokale Hämatome bilden. Da jede Injektion in den Körper theoretisch das Risiko einer Infektion birgt, wird streng auf sterile Bedingungen geachtet – Infektionen nach ACP-Injektionen sind in der Literatur sehr selten beschrieben. Ein vorübergehender Schmerzanstieg in den ersten Tagen nach der Injektion ist möglich und kein Zeichen einer Komplikation.
- Lokale Reaktionen (Schwellung, Wärme): gelegentlich, klingen rasch ab
- Hämatome: selten
- Infektionen: sehr selten bei steriler Durchführung
- Vorübergehende Schmerzzunahme in den ersten Tagen: möglich
- Keine Allergiegefahr durch körpereigenes Material
Kontraindikationen bestehen unter anderem bei aktiven Infektionen im Behandlungsbereich, bestimmten Gerinnungsstörungen, laufenden blutverdünnenden Medikamenten sowie bei bestimmten Tumorerkrankungen. Unser ärztliches Team bespricht all diese Punkte vor Therapiebeginn ausführlich mit Ihnen.
Zur Nachsorge empfehlen wir in der Regel leichte Bewegung nach der Schonungsphase sowie ergänzende physiotherapeutische Maßnahmen, um die regenerativen Effekte zu unterstützen. Die ACP-Therapie entfaltet ihren größten Nutzen als Teil eines ganzheitlichen Behandlungskonzepts – nicht als isolierte Maßnahme.
Kosten der ACP-Therapie – IGeL und Selbstzahlerleistung
Die ACP-Therapie ist in Deutschland im Bereich der Rükenbehandlung in der Regel eine individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) und wird von der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) in den meisten Fällen nicht erstattet. Das liegt daran, dass der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) die Methode bislang nicht als reguläre Kassenleistung anerkannt hat – obwohl die Forschungslage zunehmend positive Signale liefert. Privatversicherte sollten vorab die Erstattungsfähigkeit mit ihrer Versicherung klären.
Als Richtwert können die Kosten für eine einzelne ACP-Injektion an der Wirbelsäule zwischen etwa 250 und 350 Euro liegen; bei einer Behandlungsserie von drei bis fünf Sitzungen ergibt sich ein Gesamtrahmen von ungefähr 300 bis 900 Euro. Diese Angaben sind Orientierungswerte – die tatsächlichen Kosten hängen von der Anzahl der behandelten Strukturen, dem Aufwand der bildgebenden Kontrolle und dem Gesamtbehandlungskonzept ab.
In der Praxis für Orthopädie Am Michel besprechen wir die Kosten transparent und individuell mit Ihnen, bevor eine Behandlung beginnt. Sie erhalten ein detailliertes Aufklärungsgespräch, in dem alle Optionen, Kosten und Alternativen erläutert werden – damit Sie eine fundierte Entscheidung treffen können.