Eine Schulter, die über Wochen immer steifer und schmerzhafter wird, bis alltägliche Bewegungen kaum noch möglich sind, ist typisch für eine Frozen Shoulder, die sogenannte eingesteifte Schulter. Die Erkrankung verläuft in charakteristischen Phasen und kann sich über viele Monate hinziehen. Sie ist zwar langwierig, heilt aber in den meisten Fällen aus, vor allem mit der richtigen Begleitung und etwas Geduld.
Dieser Ratgeber erklärt, was bei einer Frozen Shoulder im Gelenk passiert, wie die typischen Phasen verlaufen, welche Ursachen es gibt und welche Behandlungen in den einzelnen Phasen helfen. So wissen Sie, was Sie erwartet und wie Sie den Verlauf aktiv unterstützen können.
Was ist eine Frozen Shoulder?
Bei der Frozen Shoulder, medizinisch adhäsive Kapsulitis, kommt es zu einer entzündlichen Schrumpfung der Gelenkkapsel des Schultergelenks. Die Kapsel, die das Gelenk umgibt, verdickt sich, verklebt und verliert ihre Dehnbarkeit. Dadurch wird die Schulter zunehmend steif und schmerzhaft, und der Bewegungsumfang nimmt in alle Richtungen ab.
Charakteristisch ist, dass sowohl die aktive als auch die passive Beweglichkeit eingeschränkt ist. Das bedeutet, dass sich die Schulter auch dann nicht weiter bewegen lässt, wenn jemand anderes den Arm führt. Genau das unterscheidet die Frozen Shoulder von vielen anderen Schultererkrankungen, bei denen vor allem bestimmte Bewegungen schmerzen. Andere Ursachen von Schulterschmerzen beschreiben wir in unserem Ratgeber zu Schulterschmerzen.
Die drei Phasen
Die Frozen Shoulder verläuft typischerweise in drei Phasen, die fließend ineinander übergehen. In der ersten Phase, der Einfrierphase, stehen zunehmende Schmerzen im Vordergrund, die oft auch nachts auftreten. Die Beweglichkeit nimmt langsam ab. Diese Phase kann mehrere Wochen bis Monate dauern und ist häufig die belastendste.
In der zweiten Phase, der Steifephase, lassen die Schmerzen allmählich nach, doch die Schulter bleibt deutlich eingesteift. Alltägliche Bewegungen wie das Anziehen einer Jacke oder das Greifen über Kopf sind stark eingeschränkt.
In der dritten Phase, der Auftauphase, löst sich die Steife langsam wieder, und die Beweglichkeit kehrt schrittweise zurück. Der gesamte Verlauf kann sich über ein bis mehrere Jahre erstrecken.
Ursachen und Risikofaktoren
Man unterscheidet zwei Formen. Bei der primären Frozen Shoulder tritt die Erkrankung ohne erkennbaren Auslöser auf. Bei der sekundären Form geht sie auf eine andere Ursache zurück, etwa eine vorausgegangene Verletzung, eine Operation oder eine längere Ruhigstellung der Schulter. In beiden Fällen kommt es zu der typischen entzündlichen Schrumpfung der Kapsel.
Bestimmte Faktoren erhöhen das Risiko. Dazu zählen vor allem Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus sowie Schilddrüsenerkrankungen. Auch eine längere Schonung der Schulter nach Verletzungen kann eine Frozen Shoulder begünstigen. Frauen im mittleren Erwachsenenalter sind häufiger betroffen. Warum genau die Kapsel sich entzündet und schrumpft, ist noch nicht vollständig geklärt.
Diagnose
Am Anfang stehen das Gespräch über den Verlauf der Beschwerden und die körperliche Untersuchung. Charakteristisch ist die in alle Richtungen eingeschränkte aktive und passive Beweglichkeit. Der Facharzt prüft den Bewegungsumfang genau und grenzt die Frozen Shoulder von anderen Schultererkrankungen ab, die ebenfalls zu Schmerzen und Bewegungseinschränkungen führen können.
Ergänzend können bildgebende Verfahren wie Röntgen oder Ultraschall zum Ausschluss anderer Ursachen eingesetzt werden. Sie zeigen bei der Frozen Shoulder oft keine auffälligen strukturellen Schäden, was die Diagnose zusätzlich stützt. Wichtig ist, die Erkrankung frühzeitig zu erkennen, um die Behandlung optimal auf die jeweilige Phase abzustimmen.
Behandlung je nach Phase
Die Behandlung richtet sich nach der Phase der Erkrankung. In der schmerzhaften Einfrierphase stehen die Schmerzlinderung und der Erhalt der noch vorhandenen Beweglichkeit im Vordergrund. Zu intensive Dehnung ist in dieser Phase eher ungünstig, da sie die Reizung verstärken kann. In der Steife- und Auftauphase rückt die gezielte Physiotherapie in den Mittelpunkt, um die Beweglichkeit schrittweise zurückzugewinnen.
Eine begleitende sportmedizinische Betreuung hilft, die Schulter behutsam und im richtigen Maß zu bewegen. Bei ausgeprägten Beschwerden können gezielte Injektionen die Entzündung dämpfen. Wichtig ist vor allem Geduld, denn die Frozen Shoulder heilt in den meisten Fällen aus, auch wenn der Verlauf lange dauert. Eine Operation ist nur in seltenen, hartnäckigen Fällen notwendig.