Plötzlich einsetzende, oft heftige Schulterschmerzen, die vor allem nachts quälen, sind typisch für eine Kalkschulter. Dabei lagert sich Kalk in einer Sehne der Schulter ab und reizt das Gelenk. Die Erkrankung verläuft häufig in Phasen und kann sehr schmerzhaft sein, doch in den meisten Fällen lässt sie sich ohne Operation gut behandeln.
Dieser Ratgeber erklärt, wie eine Kalkschulter entsteht, an welchen Symptomen Sie sie erkennen, wie die Diagnose gestellt wird und welche Behandlungen helfen. So wissen Sie, was hinter den Beschwerden steckt und wie Sie wieder schmerzfrei werden.
Was ist eine Kalkschulter?
Bei der Kalkschulter, medizinisch Tendinosis calcarea, lagert sich Kalk in einer Sehne der Rotatorenmanschette ab, meist in der Sehne des oberen Schultermuskels. Die Rotatorenmanschette ist eine Gruppe von Muskeln und Sehnen, die den Oberarmkopf in der Gelenkpfanne zentriert und die Schulter bewegt. Das Kalkdepot kann die Sehne reizen und den Raum unter dem Schulterdach einengen.
Die Kalkschulter durchläuft typischerweise mehrere Phasen. In der Bildungsphase entsteht das Kalkdepot oft unbemerkt. In der schmerzhaften Phase, wenn der Körper beginnt, den Kalk wieder abzubauen, treten die stärksten Beschwerden auf. Danach folgt die Rückbildungsphase, in der sich die Sehne erholt. Dieser Verlauf erklärt, warum die Beschwerden stark schwanken können.
Wie sie entsteht
Die genaue Ursache der Kalkschulter ist nicht abschließend geklärt. Diskutiert wird eine vorübergehende Minderdurchblutung der Sehne, in deren Folge sich Kalk ablagert. Auch eine Kombination aus Überlastung, Sehnenverschleiß und individuellen Faktoren spielt vermutlich eine Rolle. Betroffen sind häufig Menschen im mittleren Erwachsenenalter.
Anders als viele vermuten, hat die Kalkschulter meist nichts mit der Ernährung oder einem Zuviel an Kalzium zu tun. Es handelt sich um einen lokalen Prozess in der Sehne. Häufig tritt die Kalkschulter ohne erkennbaren Auslöser auf, und in vielen Fällen bildet sich das Kalkdepot im Verlauf von selbst zurück.
Typische Symptome
Charakteristisch sind Schmerzen im Bereich der Schulter, die vor allem beim Heben des Arms zur Seite und über Kopf sowie nachts auftreten. Besonders das Liegen auf der betroffenen Seite ist oft schmerzhaft und stört den Schlaf. In der akuten Phase können die Schmerzen sehr heftig sein und die Beweglichkeit stark einschränken.
Zwischen den akuten Episoden kann die Schulter dagegen weitgehend beschwerdefrei sein. Diese wechselnden Verläufe sind typisch. Bleiben die Beschwerden bestehen oder kehren sie immer wieder, sollte die Schulter fachärztlich untersucht werden, um die Ursache genau zu bestimmen und gezielt zu behandeln.
Diagnose
Am Anfang stehen das Gespräch über den Verlauf der Beschwerden und die körperliche Untersuchung mit gezielten Bewegungstests. Der Facharzt prüft, bei welchen Bewegungen die Schmerzen auftreten und wie stark die Beweglichkeit eingeschränkt ist. Häufig lässt sich die Kalkschulter dadurch schon vermuten.
Zur Sicherung der Diagnose wird in der Regel eine Röntgenaufnahme angefertigt, auf der das Kalkdepot sichtbar wird. Eine Ultraschalluntersuchung ergänzt das Bild und zeigt den Zustand der Sehnen. So lässt sich die Kalkschulter von anderen Schultererkrankungen abgrenzen, die wir in unserem Ratgeber zu Schulterschmerzen ausführlich beschreiben.
Behandlung
In den meisten Fällen lässt sich die Kalkschulter ohne Operation behandeln, zumal sich das Kalkdepot oft von selbst zurückbildet. In der akuten Phase stehen die Schmerzlinderung und der Erhalt der Beweglichkeit im Vordergrund, unterstützt durch gezielte Physiotherapie. Bewährt hat sich die fokussierte Stoßwellentherapie, die das Kalkdepot auflockern und den Abbau durch den Körper unterstützen soll.
Bei anhaltenden Sehnenreizungen kann ergänzend die Eigenbluttherapie (ACP/PRP) erwogen werden, und eine begleitende sportmedizinische Betreuung hilft, die Schulter gezielt zu kräftigen. Nur in hartnäckigen Fällen, in denen alle konservativen Maßnahmen über einen längeren Zeitraum nicht helfen, wird ein Eingriff erwogen, bei dem das Kalkdepot entfernt wird.