Der Knorpel im Kniegelenk ist ein bemerkenswertes Gewebe. Er ermöglicht ein reibungsloses Gleiten der Gelenkflächen und federt Belastungen ab. Ist er geschädigt, kann das Knie schmerzen, anschwellen und an Beweglichkeit verlieren. Ein Knorpelschaden ist häufig eine Vorstufe der Arthrose, doch mit der richtigen Behandlung lässt sich das Fortschreiten oft verlangsamen und die Beschwerden lindern.
Dieser Ratgeber erklärt, wie ein Knorpelschaden im Knie entsteht, welche Schweregrade es gibt, wie die Diagnose gestellt wird und welche Behandlungen von konservativ bis regenerativ zur Verfügung stehen. So wissen Sie, welche Möglichkeiten es gibt, Ihr Kniegelenk möglichst lange funktionsfähig zu halten.
Was ist ein Knorpelschaden?
Der Gelenkknorpel überzieht die Gelenkflächen im Knie und sorgt dafür, dass Oberschenkel, Schienbein und Kniescheibe nahezu reibungslos aneinander gleiten. Er enthält keine Blutgefäße und keine Nerven, weshalb er sich nur sehr begrenzt selbst reparieren kann und Schäden lange unbemerkt bleiben können. Bei einem Knorpelschaden wird diese glatte Oberfläche rau, dünner oder es entstehen Risse und Defekte.
Ein Knorpelschaden kann eng umgrenzt sein, etwa nach einer Verletzung, oder flächig auftreten, wie beim altersbedingten Verschleiß. Bleibt er unbehandelt, kann sich der Defekt vergrößern und in eine Arthrose übergehen, bei der der Knorpel großflächig aufgebraucht ist. Deshalb ist es sinnvoll, einen Knorpelschaden früh zu erkennen und die Belastung des Gelenks zu optimieren.
Die Schweregrade
Mediziner teilen Knorpelschäden in verschiedene Schweregrade ein, um Ausmaß und Behandlung besser einordnen zu können. In den leichten Graden ist der Knorpel lediglich aufgeraut oder aufgeweicht, die Oberfläche zeigt erste Veränderungen. In den mittleren Graden entstehen tiefere Risse und Defekte, die einen Teil der Knorpeldicke betreffen.
In den fortgeschrittenen Graden reicht der Schaden bis auf den darunterliegenden Knochen, der Knorpel ist in diesem Bereich weitgehend aufgebraucht. Diese Einteilung hilft, die passende Behandlung zu wählen, denn ein früher Knorpelschaden lässt sich oft gut konservativ begleiten, während ausgeprägte Schäden weiter reichende Maßnahmen erfordern. Der genaue Grad wird meist mit einer Magnetresonanztomografie oder während einer Gelenkspiegelung bestimmt.
Ursachen und Symptome
Ein Knorpelschaden kann durch eine akute Verletzung entstehen, etwa im Rahmen eines Sportunfalls mit Verdrehung des Knies oder in Kombination mit einem Kreuzband- oder Meniskusschaden. Häufiger ist jedoch der allmähliche Verschleiß durch Fehlbelastung, Übergewicht, Achsfehlstellungen der Beine oder jahrelange hohe Belastung. Auch nach Verletzungen kann sich ein Knorpelschaden mit Verzögerung entwickeln.
Die Symptome sind unterschiedlich. Typisch sind belastungsabhängige Schmerzen, ein Gefühl der Steifigkeit, gelegentliches Anschwellen des Knies und manchmal ein Reiben oder Knirschen im Gelenk. Einige Betroffene bemerken Beschwerden beim Treppensteigen, beim Hinhocken oder nach längerer Belastung. Weitere Ursachen von Knieschmerzen ordnen wir in unserem Ratgeber zu Meniskus und Knieschmerzen ein.
Diagnose
Am Anfang stehen das Gespräch über die Beschwerden und mögliche Vorverletzungen sowie die körperliche Untersuchung. Der Facharzt prüft Beweglichkeit, Stabilität, Schwellung und Druckpunkte und beurteilt die Beinachse. Bereits daraus ergeben sich oft wichtige Hinweise auf einen Knorpelschaden.
Zur genauen Beurteilung des Knorpels ist die Magnetresonanztomografie das wichtigste Verfahren, da sie Knorpel, Menisken und Bänder detailliert darstellt. In manchen Fällen wird der Schaden erst während einer Gelenkspiegelung genau sichtbar. Wichtig ist, den Befund immer im Zusammenhang mit den Beschwerden und der Beinachse zu bewerten, um die passende Behandlung zu wählen.
Behandlung, von konservativ bis regenerativ
Bei leichten bis mittleren Knorpelschäden steht die konservative Behandlung im Vordergrund. Ziel ist es, das Gelenk zu entlasten, die Muskulatur zu kräftigen und das Fortschreiten zu verlangsamen. Dazu gehören Physiotherapie, gezielte Kräftigung der Oberschenkelmuskulatur, die Optimierung der Belastung, ein gesundes Körpergewicht und bei Bedarf Einlagen zum Ausgleich von Achsfehlstellungen. Auch gelenkschonende Bewegung ist wichtig, da sie den Knorpel ernährt.
Bei Verschleiß und chronischer Reizung können regenerative Verfahren die Beschwerden lindern. Die Eigenbluttherapie (ACP/PRP) nutzt körpereigene Wachstumsfaktoren, und die SVF-Therapie setzt auf regenerative Zellen aus dem Fettgewebe. Wie die Eigenbluttherapie speziell am Knie eingesetzt wird, lesen Sie im Beitrag zur ACP-Therapie am Knie. Bei umschriebenen Defekten kommen operative knorpelaufbauende Verfahren infrage, bei weit fortgeschrittenem Verschleiß kann ein künstliches Gelenk sinnvoll werden.