Ein stechender Schmerz an der Außenseite des Knies, der nach einer bestimmten Laufstrecke einsetzt und zum Abbrechen des Trainings zwingt, ist typisch für das Läuferknie. Es gehört zu den häufigsten Überlastungsbeschwerden bei Läufern und Radfahrern und kann sehr hartnäckig sein. Wer die Ursachen kennt und gezielt gegensteuert, wird die Beschwerden jedoch in den meisten Fällen ohne Operation wieder los.
Dieser Ratgeber erklärt, wie ein Läuferknie entsteht, an welchen Symptomen Sie es erkennen, wie die Diagnose gestellt wird und welche Behandlungen helfen. Sie erfahren außerdem, wie Sie sicher in Ihren Sport zurückkehren und einem erneuten Auftreten vorbeugen.
Was ist das Läuferknie?
Das Läuferknie, medizinisch als Iliotibiales Bandsyndrom bezeichnet, ist eine Überlastungsreaktion am äußeren Knie. Verantwortlich ist der Tractus iliotibialis, ein kräftiger Sehnenstreifen, der an der Außenseite des Oberschenkels von der Hüfte bis zum Schienbein verläuft. Bei jeder Beugung und Streckung des Knies gleitet dieser Sehnenstreifen über einen knöchernen Vorsprung am äußeren Oberschenkel.
Wird das Knie sehr häufig gebeugt und gestreckt, etwa beim Laufen oder Radfahren, kann es an dieser Stelle zu Reibung und Reizung kommen. Genau daraus entstehen die typischen Schmerzen an der Außenseite des Knies. Anders als bei einer akuten Verletzung entwickelt sich das Läuferknie meist schleichend über mehrere Trainingseinheiten und macht sich zunächst nur bei längerer Belastung bemerkbar.
Wie es entsteht
Die Hauptursache ist eine wiederkehrende Überlastung, häufig durch einen zu schnellen Anstieg des Trainingsumfangs. Wer Umfang oder Intensität zu rasch steigert, überfordert das Gewebe. Auch das Laufen auf hartem oder abschüssigem Untergrund, ausgeprägtes Bergablaufen und ungeeignetes Schuhwerk begünstigen die Reizung. Beim Radfahren kann eine ungünstige Sitzposition eine Rolle spielen.
Hinzu kommen individuelle Faktoren wie eine schwache Hüft- und Gesäßmuskulatur, muskuläre Dysbalancen, eine ungünstige Beinachse und eine verkürzte äußere Oberschenkelmuskulatur. Diese Faktoren verstärken die Reibung des Sehnenstreifens. Deshalb reicht es meist nicht, nur den Schmerz zu behandeln, sondern es müssen auch die zugrunde liegenden Ursachen wie Trainingssteuerung und muskuläre Schwächen angegangen werden.
Typische Symptome
Kennzeichnend ist ein stechender oder brennender Schmerz an der Außenseite des Knies. Typisch ist, dass er nach einer bestimmten, oft gut reproduzierbaren Belastungsdauer einsetzt und sich bei fortgesetzter Belastung verstärkt. Viele Läufer berichten, dass sie nach genau derselben Strecke abbrechen müssen. In Ruhe lassen die Beschwerden meist nach.
Der Schmerz kann so stark werden, dass ein Weiterlaufen unmöglich ist. Manche Betroffene bemerken zusätzlich ein Reibe- oder Knackgefühl an der Außenseite des Knies. Bergablaufen und Treppensteigen verschlimmern die Beschwerden häufig. Bleiben die Symptome bestehen oder kehren sie bei jedem Training wieder, ist eine fachärztliche Abklärung sinnvoll, um einen chronischen Verlauf zu vermeiden.
Diagnose
Am Anfang stehen das Gespräch über das Training und den Verlauf der Beschwerden sowie die körperliche Untersuchung. Der typische Druckschmerz an der Außenseite des Knies und der klare Zusammenhang mit der Laufbelastung geben oft schon deutliche Hinweise. Der Facharzt prüft außerdem die Beinachse, die Kraft der Hüft- und Gesäßmuskulatur und die Spannung der äußeren Oberschenkelmuskulatur.
Zum Ausschluss anderer Ursachen, etwa einer Meniskus- oder Bandbeteiligung, kann eine Ultraschall- oder Magnetresonanztomografie sinnvoll sein. Weitere mögliche Ursachen von Knieschmerzen ordnen wir in unserem Ratgeber zu Meniskus und Knieschmerzen ein. Auf Grundlage der Untersuchung lässt sich die Behandlung gezielt planen.
Behandlung
Die Behandlung des Läuferknies setzt an mehreren Punkten an. In der akuten Phase stehen die Anpassung der Belastung und die Beruhigung des gereizten Gewebes im Vordergrund, unterstützt durch Kälteanwendungen und eine vorübergehende Reduktion der auslösenden Belastung. Anschließend ist ein gezieltes Aufbautraining entscheidend, das vor allem die Hüft- und Gesäßmuskulatur kräftigt und muskuläre Dysbalancen ausgleicht. Ergänzend helfen Dehnübungen für die äußere Oberschenkelmuskulatur.
Eine sportmedizinische Begleitung hilft, Training und Belastung richtig zu dosieren und die Technik zu optimieren. Bei hartnäckigen Beschwerden kann die fokussierte Stoßwellentherapie die Heilung unterstützen, und bei anhaltender Reizung kommt ergänzend die Eigenbluttherapie (ACP/PRP) infrage. Eine Operation ist beim Läuferknie nur in sehr seltenen Ausnahmefällen notwendig.