Ein stechender Schmerz an der Fußsohle, der bei den ersten Schritten am Morgen besonders heftig ist, gehört zu den häufigsten Fußbeschwerden überhaupt. Dahinter steckt meist eine Plantarfasziitis, eine Reizung der straffen Sehnenplatte an der Unterseite des Fußes. Für viele Betroffene wird jeder Schritt zur Belastung, doch die gute Nachricht ist, dass sich die Beschwerden mit konsequenter Behandlung in den allermeisten Fällen ohne Operation deutlich bessern lassen.
Dieser Ratgeber erklärt ausführlich, was die Plantarfaszie ist, wie es zu einer Reizung kommt, an welchen Symptomen Sie eine Plantarfasziitis erkennen und welche Behandlungen wirklich helfen. Sie erfahren außerdem, welche Übungen und Hilfsmittel sinnvoll sind und wann eine fachärztliche Abklärung ratsam ist.
Was ist die Plantarfaszie?
Die Plantarfaszie ist eine kräftige, bindegewebige Sehnenplatte, die an der Unterseite des Fußes vom Fersenbein bis zu den Zehen verläuft. Sie spannt das Längsgewölbe des Fußes auf, wirkt wie eine Feder und trägt entscheidend dazu bei, dass der Fuß Stöße abfedern und die Belastung beim Gehen und Laufen verteilen kann. Bei jedem Schritt wird sie gedehnt und wieder entspannt.
Wird die Plantarfaszie dauerhaft überlastet, entstehen an ihrem Ansatz am Fersenbein feine Reizungen und kleine Gewebeschäden. Fachleute sprechen dann von einer Plantarfasziitis. Die Endung deutet auf eine Entzündung hin, tatsächlich handelt es sich jedoch eher um eine chronische Überlastungsreaktion des Gewebes mit begleitenden Reizerscheinungen. Genau dort, wo die Sehnenplatte am Knochen ansetzt, sitzt der typische Schmerz.
Der Zusammenhang mit dem Fersensporn
Die Plantarfasziitis wird häufig gemeinsam mit dem Fersensporn genannt, und tatsächlich hängen beide eng zusammen. Der Fersensporn ist ein knöcherner Auswuchs am Fersenbein, der sich als Reaktion auf die dauerhafte Zugbelastung der Plantarfaszie bilden kann. Er ist also oft die Folge und nicht die eigentliche Ursache der Beschwerden.
Wichtig zu wissen ist, dass viele Menschen einen Fersensporn haben, ohne jemals Schmerzen zu verspüren. Umgekehrt kann eine Plantarfasziitis auch ohne knöchernen Sporn bestehen. Für die Behandlung bedeutet das, dass nicht der Sporn im Mittelpunkt steht, sondern die Beruhigung und Entlastung der gereizten Sehnenplatte. Das erklärt, warum die konservative Behandlung bei beiden Beschwerdebildern sehr ähnlich verläuft.
Ursachen und Risikofaktoren
Die Hauptursache ist eine chronische Überlastung der Plantarfaszie. Diese entsteht durch ein Zuviel an Belastung oder durch ungünstige Voraussetzungen im Fuß. Zu den wichtigsten Risikofaktoren zählen Übergewicht, langes Stehen und Gehen auf hartem Untergrund, intensiver Laufsport sowie ein zu schneller Anstieg der Trainingsbelastung. All das erhöht die Zugkräfte auf die Sehnenplatte.
Auch die Anatomie des Fußes spielt eine Rolle. Ein Knick-Senkfuß oder ein ausgeprägtes Hohlfußprofil verändern die Belastung der Plantarfaszie ungünstig. Hinzu kommt sehr häufig eine verkürzte Waden- und Fußmuskulatur, die den Zug auf den Sehnenansatz verstärkt. Ungeeignetes Schuhwerk mit zu wenig Dämpfung oder Stütze verschärft das Problem zusätzlich. Meist wirken mehrere dieser Faktoren zusammen.
Typische Symptome
Das Leitsymptom ist ein stechender Schmerz an der Fußsohle im Bereich der Ferse, der bei Belastung auftritt. Besonders charakteristisch ist der Anlaufschmerz, also ein starker Schmerz bei den ersten Schritten nach dem Aufstehen am Morgen oder nach längeren Ruhepausen. Nach einigen Schritten lässt der Schmerz oft etwas nach, um bei längerer Belastung wieder zuzunehmen.
Viele Betroffene beschreiben das Gefühl, in einen Nagel zu treten. Der Druckschmerz lässt sich meist genau an der Innenseite der Ferse an der Fußsohle auslösen. Die Beschwerden entwickeln sich in der Regel schleichend über Wochen und werden ohne Behandlung häufig hartnäckiger. Spätestens wenn der Alltag oder der Sport spürbar eingeschränkt sind, sollte die Ursache abgeklärt werden.
Diagnose
Am Anfang stehen das Gespräch über die Beschwerden und die körperliche Untersuchung. Der typische Anlaufschmerz und der genau lokalisierbare Druckschmerz an der Fußsohle geben oft schon deutliche Hinweise. Der Facharzt beurteilt außerdem die Fußform, die Beweglichkeit des Fußes und die Spannung der Wadenmuskulatur, die häufig verkürzt ist.
Ergänzend kann eine Ultraschalluntersuchung den Zustand der Plantarfaszie darstellen und eine Verdickung oder Reizung sichtbar machen. Eine Röntgenaufnahme dient vor allem dem Ausschluss anderer Ursachen und kann einen begleitenden Fersensporn zeigen. Wichtig ist, den Befund immer im Zusammenhang mit den tatsächlichen Beschwerden zu bewerten, denn behandelt wird der Mensch und nicht das Bild.
Konservative Behandlung
In den allermeisten Fällen lässt sich eine Plantarfasziitis ohne Operation erfolgreich behandeln. Die Grundlage bilden die Entlastung des gereizten Gewebes und die Behebung der Überlastung. Dazu gehören individuell angepasste Einlagen zur Stützung des Längsgewölbes, gut gedämpftes Schuhwerk und eine vorübergehende Reduktion belastender Aktivitäten. In der akuten Phase können Kälteanwendungen die Beschwerden lindern.
Eine zentrale Rolle spielen regelmäßige Dehnübungen für die Wadenmuskulatur und die Fußsohle, da eine verkürzte Muskulatur die Reizung unterhält. Ergänzend stärkt gezieltes Training die Fußmuskulatur. Wie Sie die Fußmuskulatur kräftigen und Überlastungen dauerhaft vorbeugen, erfahren Sie in unserem Bereich Sportmedizin und Prävention. Für Läufer sind zudem die Anpassung von Trainingsumfang und Laufschuhen sowie ausreichende Erholungspausen entscheidend.
Moderne Verfahren bei hartnäckigen Beschwerden
Halten die Beschwerden trotz konsequenter konservativer Behandlung an, hat sich die fokussierte Stoßwellentherapie bewährt. Sie regt die Durchblutung und die Selbstheilung im gereizten Gewebe an und kann die hartnäckigen Schmerzen an der Fußsohle oft deutlich lindern. Mehr dazu lesen Sie in unserem Beitrag zur fokussierten Stoßwellentherapie.
Bei besonders hartnäckigen Sehnenreizungen kann zudem die Eigenbluttherapie (ACP/PRP) erwogen werden, bei der körpereigene Wachstumsfaktoren die Heilung unterstützen sollen. Eine Operation ist bei der Plantarfasziitis nur sehr selten nötig und kommt erst dann infrage, wenn alle konservativen Möglichkeiten über einen langen Zeitraum ausgeschöpft sind, ohne dass sich eine Besserung einstellt.