Schmerzen im Knie beim Treppensteigen, Morgensteifigkeit, das vertraute Knacken bei jeder Bewegung – Kniearthrose (Gonarthrose) schränkt den Alltag vieler Menschen spürbar ein. Wer konservative Behandlungen wie Physiotherapie, Schmerzmittel oder Hyaluronsäure-Injektionen bereits kennt, fragt sich vielleicht: Kann eine PRP-Eigenbluttherapie bei Kniearthrose eine weitere Option sein? Diese Frage hören wir in der Praxis für Orthopädie am Michel in Hamburg regelmäßig.
In diesem Beitrag erklären wir, was PRP und ACP sind, wie die Therapie funktioniert, was die Forschung bisher dazu sagt – offen und ohne übertriebene Versprechen – und was Sie vor einer Entscheidung wissen sollten. Die Praxis für Orthopädie Am Michel in Hamburg bietet diese Behandlungsoption als individuellen Heilversuch an. Ob sie für Sie infrage kommt, lässt sich nur im persönlichen Gespräch klären.
Was ist Kniearthrose (Gonarthrose) und warum ist sie so häufig?
Gonarthrose bezeichnet den schrittweisen Abbau des Gelenkknorpels im Knie. Der Knorpel – eine glatte, stoßdämpfende Schicht an den Knochenenden – verliert mit der Zeit an Dicke und Elastizität. Knochen reiben aneinander, Entzündungsreaktionen entstehen, Schmerz und Bewegungseinschränkungen nehmen zu.
In Deutschland sind Millionen Menschen betroffen, vor allem ab dem fünften Lebensjahrzehnt. Typische Beschwerden umfassen belastungsabhängige Knieschmerzen, Anlaufschmerz nach Ruhephasen, Schwellungen und ein vermindertes Bewegungsausmaß. Die Ursachen sind vielfältig: Übergewicht und Stoffwechselstörungen, frühere Verletzungen (z. B. Meniskus- und Kreuzbandriss), genetische Veranlagung und Überlastung zählen zu den häufigsten Faktoren.
Eine Heilung der Arthrose im Sinne einer vollständigen Knorpelregeneration ist nach aktuellem Kenntnisstand nicht möglich. Die Behandlung zielt daher darauf ab, Schmerzen zu lindern, die Gelenkfunktion zu erhalten und die Lebensqualität zu verbessern. Neben der Physiotherapie und medikamentösen Therapie wird die regenerative Medizin zunehmend als ergänzende Behandlungsoption diskutiert. Auch in meiner orthopädischen Sprechstunde in Hamburg ist die Gonarthrose eines der häufigsten Beratungsthemen.
Was ist PRP – und was ist der Unterschied zu ACP?
PRP steht für Plättchenreiches Plasma (englisch: Platelet-Rich Plasma). Dabei handelt es sich um ein aus Ihrem eigenen Blut gewonnenes Konzentrat, das eine deutlich höhere Dichte an Blutplättchen (Thrombozyten) enthält als normales Vollblut – in der Regel das Drei- bis Sechsfache.
ACP (Autologes Conditioniertes Plasma) ist ein spezifisches Herstellungsverfahren für plättchenreiches Plasma, das von einem bestimmten Gerätehersteller entwickelt wurde. Im klinischen Alltag werden die Begriffe PRP und ACP oft synonym verwendet. Beide basieren auf demselben Grundprinzip: Eigenblut, das durch Zentrifugation aufbereitet wurde, enthält konzentrierte Wachstumsfaktoren und wird als Injektion in das betroffene Gelenk eingebracht.
Da ausschließlich körpereigenes Material verwendet wird, entfallen Risiken durch Fremdproteine oder Abstoßungsreaktionen, die bei synthetischen Präparaten auftreten könnten. Das unterscheidet PRP/ACP grundlegend von Hyaluronsäure-Injektionen oder Kortison-Präparaten – beides körperfremde Substanzen.
Wirkprinzip: Was sollen Wachstumsfaktoren im Kniegelenk bewirken?
Thrombozyten sind nicht nur an der Blutgerinnung beteiligt – sie enthalten in ihren Alpha-Granula eine Vielzahl biologischer Botenstoffe. Darunter befinden sich sogenannte Wachstumsfaktoren wie TGF-β (Transforming Growth Factor Beta), PDGF (Platelet-Derived Growth Factor), IGF-1 (Insulin-like Growth Factor) und VEGF (Vascular Endothelial Growth Factor).
Diese Moleküle spielen eine Rolle bei Gewebereparatur, Zellproliferation und der Modulation von Entzündungsreaktionen. Wenn PRP in ein arthrotisches Gelenk injiziert wird, degranulieren die Thrombozyten und geben diese Botenstoffe lokal frei. Die Hypothese lautet: Diese Signalstoffe könnten entzündliche Prozesse im Gelenk abschwächen, die verbleibenden Knorpelzellen (Chondrozyten) anregen und so zu einer Milderung der Beschwerden beitragen.
Wichtig zu verstehen: PRP kann nach aktuellem Forschungsstand keinen zerstörten Knorpel vollständig wiederherstellen. Die Erwartung sollte eine mögliche Symptomlinderung und verlangsamte Progression sein – nicht eine strukturelle Heilung des Gelenks. Ob und in welchem Ausmaß eine Wirkung eintritt, ist individuell sehr verschieden und lässt sich vorab nicht verlässlich vorhersagen.
- TGF-β: kann entzündungshemmend und knorpelschützend wirken
- PDGF: fördert Zellwachstum und Gewebereparatur
- IGF-1: unterstützt Stoffwechsel der Knorpelzellen
- VEGF: regt Gefäßneubildung und Gewebeversorgung an
Ablauf einer PRP-Behandlung am Knie – was erwartet Sie?
In Hamburg führen wir die PRP-Behandlung am Knie unter sterilen Bedingungen in der Praxis durch. Die PRP-Behandlung findet ambulant statt und ist in der Regel in unter 30 Minuten abgeschlossen. Der Ablauf gliedert sich in wenige Schritte:
Zunächst wird Ihnen aus einer Armvene eine definierte Blutmenge abgenommen – in der Regel zwischen 15 und 60 Milliliter, abhängig vom verwendeten System. Das Blut wird direkt in der Praxis in einer speziellen Zentrifuge aufbereitet. Dabei trennen sich die Blutbestandteile nach Dichte: Rote Blutkörperchen setzen sich ab, das plättchenreiche Plasma bleibt als gelbliche Flüssigkeit übrig.
Dieses Konzentrat wird anschließend unter sterilen Bedingungen in das Kniegelenk injiziert. Je nach Befund und individueller Behandlungsplanung können mehrere Sitzungen sinnvoll sein – in der Regel drei bis fünf Injektionen im Abstand von ein bis zwei Wochen. Das genaue Behandlungsprotokoll besprechen wir individuell in der Sprechstunde mit Ihnen.
Unmittelbar nach der Injektion sollte das Knie für einige Tage geschont werden. Sport und starke körperliche Belastung sind in den ersten 48 bis 72 Stunden zu vermeiden. Eine leichte Schwellung oder ein vorübergehend verstärktes Schmerzempfinden direkt nach der Injektion ist möglich und klingt üblicherweise rasch wieder ab.
- Blutabnahme aus der Armvene (15–60 ml)
- Zentrifugation in der Praxis (ca. 5–10 Minuten)
- Injektion des PRP ins Kniegelenk unter sterilen Bedingungen
- Schonungsphase von 48–72 Stunden nach jeder Sitzung
- Gesamtdauer pro Sitzung: ca. 20–30 Minuten
Studienlage zur PRP-Eigenbluttherapie bei Kniearthrose – ehrlich bewertet
Die Studienlage zur PRP-Therapie bei Kniearthrose ist aktiv und wächst – aber auch heterogen. Das bedeutet: Es gibt sowohl positive Befunde als auch Studien mit uneinheitlichen Ergebnissen. Eine ehrliche Einschätzung ist deshalb wichtig.
Mehrere systematische Übersichtsarbeiten und Meta-Analysen aus den Jahren 2023 und 2024 zeigen, dass PRP-Injektionen bei Gonarthrose im Vergleich zu Placebo oder Hyaluronsäure zu einer Reduktion von Schmerzen und einer Verbesserung der Gelenkfunktion beitragen können – insbesondere bei früheren Arthroseststadien (Kellgren-Lawrence Grad I–II). Eine aktuelle Publikation auf PubMed (PMID: 41107915, 2024) analysierte randomisierte kontrollierte Studien und bestätigt sowohl Wirksamkeit als auch ein günstiges Sicherheitsprofil. Eine weitere Meta-Analyse auf Basis randomisierter, doppelblinder kontrollierter Studien (ScienceDirect 2025) legt nahe, dass PRP Hyaluronsäure hinsichtlich der Schmerzreduktion überlegen sein könnte.
Gleichzeitig ist wichtig: Die S3-Leitlinie Prävention und Therapie der Gonarthrose (AWMF-Registernummer 187-050, Aktualisierung 2024) bewertet PRP zurückhaltend und sieht die Evidenz derzeit als nicht ausreichend an, um eine generelle Empfehlung auszusprechen. Die Qualität der Einzelstudien ist uneinheitlich, Methoden zur PRP-Herstellung variieren stark, und direkte Vergleiche sind schwierig.
Studien unterscheiden sich erheblich in der PRP-Herstellungsmethode, der Injektionshäufigkeit und der Patientenauswahl. Daher lassen sich Ergebnisse nicht direkt vergleichen, und pauschale Aussagen zur Wirksamkeit sind wissenschaftlich nicht haltbar. PRP gilt in Deutschland bei Kniearthrose als individueller Heilversuch – außerhalb des Leistungskatalogs der gesetzlichen Krankenversicherung.
Abgrenzung zu anderen Verfahren: Im Gegensatz zur SVF-Therapie (Stromal Vascular Fraction) mit körpereigenen Stammzellen aus Fettgewebe, die einen aufwendigeren Eingriff erfordert, ist PRP/ACP ein minimal-invasives Verfahren. Kortison-Injektionen können kurzfristig Entzündungen reduzieren, wirken aber anders und können bei häufiger Anwendung Knorpelgewebe belasten. Hyaluronsäure verbessert die Gelenkschmierung, adressiert aber nicht die biologischen Reparaturprozesse, die PRP anspricht.
Risiken und Nebenwirkungen – was sollten Sie wissen?
Da PRP aus Ihrem eigenen Blut gewonnen wird, sind Risiken durch Fremdmaterial oder allergische Reaktionen auf den Wirkstoff selbst weitgehend ausgeschlossen. Dennoch ist jede Injektion in ein Gelenk ein medizinischer Eingriff, der nicht frei von Risiken ist.
Mögliche Nebenwirkungen umfassen vorübergehende Schmerzen, Schwellung oder Wärme an der Injektionsstelle, die in der Regel innerhalb weniger Tage abklingen. In sehr seltenen Fällen kann es zu einer Gelenkinfektion kommen – ein Risiko, das durch strikte Sterilität bei der Durchführung minimiert wird. Gelegentlich berichten Patient:innen von einer kurzfristigen Schmerzverstärkung nach der Injektion, bevor sich eine Besserung einstellt.
PRP ist nicht geeignet bei aktiven Gelenkentzündungen (z. B. rheumatoider Arthritis im Schub), Gerinnungsstörungen, einigen Antikoagulanzientherapien oder bestehenden Infektionen. Ob und wann die Therapie für Sie infrage kommt, kläre ich gerne sorgfältig mit Ihnen ab.
Kosten der PRP-Eigenbluttherapie – was ist als Richtwert realistisch?
Die PRP/ACP-Therapie bei Kniearthrose ist in Deutschland eine individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) und wird von der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) in der Regel nicht erstattet. Die Abrechnung erfolgt nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ); die genauen Kosten hängen von der Anzahl der Injektionen, dem verwendeten System und dem individuellen Befund ab. Privatversicherten empfehlen wir, die Kostenübernahme vorab mit Ihrer Versicherung zu klären – viele Tarife erstatten solche Leistungen teilweise oder vollständig.
Als grober Richtwert können Sie mit Kosten von etwa 250 bis 350 Euro pro Sitzung rechnen. Da in der Regel mehrere Sitzungen (oft drei bis fünf) durchgeführt werden, belaufen sich die Gesamtkosten häufig auf 750 bis 1.750 Euro für eine Behandlungsserie. Diese Angaben sind Richtwerte – die konkreten Kosten für Ihre individuelle Situation werden im Aufklärungsgespräch transparent mit Ihnen besprochen.
- Richtwert pro Sitzung: ca. 250–350 Euro (GOÄ-Abrechnung)
- Behandlungsserie (3–5 Injektionen): ca. 750–1.750 Euro gesamt
- GKV: in der Regel keine Kostenerstattung
- PKV: Erstattung tarif- und versicherungsabhängig