Man physiotherapist stretching shoulder and arm patient

Schulterschmerzen: Ursachen vom Sehnenansatz bis zum Teres-major-Muskel

Dr. Kim Niklas Kolle
Verfasst von
Dr. Kim Niklas Kolle
Man physiotherapist stretching shoulder and arm patient

Die Schulter ist das beweglichste Gelenk des menschlichen Körpers, und genau diese Beweglichkeit macht sie anfällig für Beschwerden. Schulterschmerzen können das Anziehen, Arbeiten und sogar den Schlaf erheblich beeinträchtigen. Wer nachts nicht mehr auf der betroffenen Seite liegen kann oder den Arm nicht mehr schmerzfrei hebt, weiß, wie einschränkend solche Beschwerden sind.

Dieser Ratgeber erklärt die häufigsten Ursachen, beleuchtet die oft übersehene Rolle der Muskulatur und zeigt, welche Behandlungen helfen. Denn die richtige Therapie beginnt immer mit der genauen Diagnose, weil hinter Schulterschmerzen ganz unterschiedliche Ursachen stecken können.

Wie die Schulter aufgebaut ist

Das Schultergelenk wird weniger durch Knochen als durch Muskeln, Sehnen und die Gelenkkapsel geführt. Anders als das Hüftgelenk hat es keine tiefe knöcherne Pfanne, sondern verdankt seine große Beweglichkeit einem flachen Gelenkkontakt. Diese Konstruktion erlaubt einen enormen Bewegungsumfang, macht die Schulter aber gleichzeitig empfindlich gegenüber Überlastung und Verletzungen.

Eine zentrale Rolle spielt die Rotatorenmanschette, eine Gruppe von Muskeln und Sehnen, die den Oberarmkopf in der Pfanne zentriert und stabilisiert. Werden diese Strukturen gereizt, überlastet oder eingeklemmt, entstehen Schmerzen, die typischerweise beim Heben des Arms auftreten.

Die häufigsten Krankheitsbilder

Sehr verbreitet ist das sogenannte Impingement, bei dem Sehnen unter dem Schulterdach eingeengt werden und bei bestimmten Bewegungen schmerzen. Auch eine Kalkschulter, bei der sich Kalk in einer Sehne ablagert, verursacht oft heftige, teils nächtliche Schmerzen. Mit zunehmendem Alter spielt der Verschleiß des Gelenks, die Schulterarthrose, eine größere Rolle.

Eine eingesteifte Schulter, die sogenannte Frozen Shoulder, führt zu einer schmerzhaften, zunehmenden Bewegungseinschränkung, die sich über Monate entwickeln kann. Hinzu kommen Folgen von Stürzen und Sportverletzungen, etwa Risse der Rotatorenmanschette. Welche dieser Ursachen vorliegt, lässt sich nur durch eine sorgfältige Untersuchung klären.

Muskuläre Ursachen werden oft übersehen

Daneben sind muskuläre Ursachen häufiger, als viele denken. Verspannungen und Überlastungen der schulterführenden und schulterblattstabilisierenden Muskeln strahlen oft in den gesamten Schultergürtel aus und hängen eng mit Beschwerden im Nacken zusammen. Wer viel sitzt oder über Kopf arbeitet, ist besonders betroffen.

Ein häufig übersehener Mitspieler ist der Teres-major-Muskel, auf Deutsch der große Rundmuskel. Er verläuft vom unteren Rand des Schulterblatts zum Oberarmknochen und unterstützt das Heranführen und die Innendrehung des Arms. Bei einseitiger Belastung, etwa bei Überkopfarbeit, beim Sport oder durch dauerhaft schlechte Haltung, kann dieser Muskel verspannen und Schmerzen verursachen, die in die hintere Schulter und den Oberarm ausstrahlen. Weil seine Beschwerden leicht mit Problemen der Rotatorenmanschette verwechselt werden, ist eine genaue Untersuchung wichtig.

Diagnose und Behandlung

Die Behandlung richtet sich nach der Ursache, die zunächst sorgfältig abgeklärt wird. Dazu gehören das Gespräch, gezielte Bewegungs- und Funktionstests und bei Bedarf eine Bildgebung. Am Anfang stehen meist gezielte Physiotherapie, Haltungsschulung und ein an die Beschwerden angepasstes Training. Bei akuten Reizzuständen kann eine vorübergehende Schmerzbehandlung sinnvoll sein.

Bei der Kalkschulter und bei hartnäckigen Sehnenreizungen hat sich die fokussierte Stoßwellentherapie bewährt. Bei verschleißbedingten Beschwerden oder chronischen Sehnenreizungen kann zudem die Eigenbluttherapie oder die SVF-Therapie ergänzend zum Einsatz kommen. Für Sportler ist eine sportmedizinische Betreuung hilfreich, und im Bereich Prävention finden Sie Übungen zur Entlastung der Schulter. Eine Operation wird erst erwogen, wenn konservative Maßnahmen über einen ausreichenden Zeitraum nicht den gewünschten Erfolg bringen.

Das Impingement-Syndrom

Beim Impingement, auch Engpasssyndrom genannt, geraten Sehnen der Rotatorenmanschette unter dem Schulterdach in Bedrängnis. Vor allem beim Heben des Arms zur Seite entsteht ein typischer Schmerz in einem bestimmten Bewegungsbereich. Auslöser sind häufig eine Überlastung, eine muskuläre Dysbalance oder knöcherne Veränderungen am Schulterdach.

Die Behandlung zielt darauf ab, den Engpass zu entlasten und das Gleichgewicht der Schultermuskulatur wiederherzustellen. Gezielte Physiotherapie, Haltungsschulung und ein angepasstes Training stehen im Vordergrund. So lässt sich in den meisten Fällen eine deutliche Besserung erreichen, ohne dass ein operativer Eingriff nötig wird.

Die Kalkschulter

Bei der Kalkschulter lagert sich Kalk in einer Sehne der Rotatorenmanschette ab. Das kann lange unbemerkt bleiben, führt aber häufig zu plötzlich einsetzenden, sehr starken Schmerzen, besonders nachts. Die Beschwerden verlaufen oft in Phasen, in denen sich der Kalk bildet, ruht und schließlich wieder abgebaut wird.

Neben einer gezielten Schmerzbehandlung hat sich die fokussierte Stoßwellentherapie bewährt, die das Kalkdepot auflockern und den Abbau unterstützen soll. Begleitend ist Physiotherapie wichtig, um die Beweglichkeit zu erhalten. Nur in hartnäckigen Fällen, in denen alle konservativen Maßnahmen ausgeschöpft sind, wird ein Eingriff erwogen.

Die Frozen Shoulder

Die Frozen Shoulder, also die eingesteifte Schulter, ist eine entzündliche Schrumpfung der Gelenkkapsel. Sie verläuft typischerweise in drei Phasen, einer schmerzhaften Einfrierphase, einer steifen Phase mit ausgeprägter Bewegungseinschränkung und einer langsamen Auftauphase, in der sich die Beweglichkeit allmählich zurückbildet.

Der gesamte Verlauf kann viele Monate bis Jahre dauern, heilt aber in den meisten Fällen aus. Die Behandlung richtet sich nach der Phase und umfasst Schmerzlinderung, gezielte Physiotherapie und Geduld. Wichtig ist, die Schulter weder zu überlasten noch völlig ruhigzustellen, sondern sie im verträglichen Rahmen zu bewegen.

Schulterarthrose

Mit zunehmendem Alter kann sich der Knorpel im Schultergelenk abnutzen, was zu einer Schulterarthrose führt. Typisch sind belastungsabhängige Schmerzen, eine zunehmende Bewegungseinschränkung und manchmal ein Reiben im Gelenk. Wie bei anderen Arthrosen steht die Erhaltung von Beweglichkeit und Kraft im Vordergrund.

Neben Physiotherapie und gezielter Bewegung können regenerative Verfahren wie die Eigenbluttherapie ergänzend helfen, Beschwerden zu lindern. Ein Gelenkersatz kommt erst infrage, wenn die Lebensqualität stark eingeschränkt ist und konservative Maßnahmen nicht mehr ausreichen. Welcher Weg sinnvoll ist, hängt vom Ausmaß der Arthrose und Ihren Beschwerden ab.

Verletzungen der Rotatorenmanschette

Die Sehnen der Rotatorenmanschette können nicht nur durch Verschleiß, sondern auch durch Verletzungen Schaden nehmen. Ein Sturz auf den ausgestreckten Arm oder eine ruckartige Belastung kann zu einem teilweisen oder vollständigen Riss einer Sehne führen. Typisch sind dann ein Kraftverlust beim Heben des Arms, Schmerzen und manchmal eine deutliche Bewegungseinschränkung.

Ob ein solcher Riss konservativ behandelt oder operiert wird, hängt von der Größe des Risses, vom Alter und vom Anspruch an die Schulter ab. Kleinere Risse lassen sich häufig mit gezielter Physiotherapie gut kompensieren, während größere Risse bei aktiven Menschen eine operative Versorgung erfordern können. Die Entscheidung treffen wir gemeinsam nach einer sorgfältigen Untersuchung.

Selbsthilfe und Übungen für die Schulter

Bei vielen Schulterbeschwerden können Sie selbst viel zur Besserung beitragen. Sanfte Pendel- und Mobilisationsübungen halten das Gelenk beweglich, während gezielte Kräftigungsübungen die schulterblattstabilisierende Muskulatur und die Rotatorenmanschette stärken. Wichtig ist, die Übungen ruhig, regelmäßig und im schmerzarmen Bereich auszuführen.

In der akuten Phase sollten ruckartige Überkopfbelastungen vermieden werden, doch eine völlige Ruhigstellung ist meist ungünstig. Eine gute Haltung mit aufgerichtetem Oberkörper entlastet die Schulter zusätzlich. Welche Übungen für Ihr konkretes Beschwerdebild geeignet sind, zeigen wir Ihnen, damit Sie die Behandlung wirksam unterstützen können.

FAQ

Häufige Fragen (FAQ)

Warum schmerzt meine Schulter besonders nachts?

Viele Schultererkrankungen, etwa das Impingement und die Kalkschulter, verursachen typischerweise nächtliche Schmerzen, vor allem beim Liegen auf der betroffenen Seite. Das ist ein häufiges und ernst zu nehmendes Zeichen für eine Reizung im Gelenk.

Was kann ich selbst tun?

Gezielte Beweglichkeits- und Kräftigungsübungen sowie eine gute Haltung entlasten die Schulter. Ruckartige Überkopfbelastungen sollten Sie in der akuten Phase vermeiden.

Wann sollte ich zum Arzt?

Bei starken, anhaltenden oder nächtlichen Schmerzen, bei Bewegungseinschränkung oder nach einem Sturz ist eine fachärztliche Untersuchung ratsam.

Wie lange dauern Schulterschmerzen?

Das hängt stark von der Ursache ab. Muskuläre Reizungen bessern sich oft innerhalb weniger Wochen, während eine Kalkschulter oder eine eingesteifte Schulter deutlich länger brauchen und eine konsequente Behandlung erfordern.

Muss eine Schulter immer operiert werden?

Nein. Die meisten Schulterbeschwerden lassen sich konservativ behandeln. Eine Operation kommt nur infrage, wenn gezielte konservative Maßnahmen über einen ausreichenden Zeitraum nicht helfen oder eine strukturelle Verletzung dies erfordert.

Schulterschmerzen in Hamburg abklären lassen

Schulterbeschwerden haben viele Gesichter, und die richtige Behandlung beginnt mit der genauen Diagnose. In der Praxis für Orthopädie Am Michel untersuchen wir Ihre Schulter gründlich. Vereinbaren Sie hier online Ihren Termin über Doctolib.

KONTAKT

Schreiben Sie mir

Für allgemeine Fragen zur Praxis oder zu meinem Behandlungsansatz. Eine konkrete medizinische Einschätzung gibt es in der Sprechstunde — Termine über Doctolib oder telefonisch.

    Bewertungen

    Was unsere Patienten sagen

    Ich habe muss schon sagen, dass Dr. Kolle für einen Orthopäden nicht nur ungewöhnlich sympathisch ist, sondern auch erfrischend innovativ und fortschrittlich. Kein stumpfes „Sportverbot für 6 Wochen“ und unreflektierte Cortisonspritzen, sondern progressive Verfahren mit regenerativem Ansatz und nachhaltigem Effekt. Der Doc hört zu, erklärt verständlich und behandelt mit Konzept. Bei meinen Kniebeschwerden hat die Kombination Eigenplasma/Magnetfeldtherapie endlich einen Durchbruch erzielt und den Therapieerfolg kann ich jetzt mit regelmäßigem Training aufrecht erhalten. Falls notwendig, komme ich gern wieder.

    vor 3 Monaten
    J ot- Google Rezension

    Ich war nach meiner Kreuzband-OP wegen anhaltender Knieschmerzen und beginnender Kniearthrose bei Dr. Kolle. Die Diagnostik war gründlich, inklusive BIA-Messung (geht schnell, ist schmerzfrei und gibt einen tollen, nachvollziehbaren Überblick über die eigene Körperzusammensetzung und Potenzial) und Nährstoffanalyse. Eine anschließende ACP-Therapie und konkrete Empfehlungen zu Training und Ernährung haben mir super weitergeholfen. Mein Knie ist nun spürbar stabiler und Sport ist endlich wieder schmerzfrei möglich. Sehr kompetenter Arzt, modernes Konzept und ein super freundliches Praxisteam. Klare Empfehlung!

    vor 1 Monat
    E.N.- Google Rezension

    Aufgrund eines wiederholten Bandscheibenvorfalls mit Taubheitsgefuehlen im rechten Bein in 10/2025 (erstmals 2017.. im Lendenbereich mit damaliger Behandlung in NRW) bin ich aufgrund von Empfehlungen aus unserer Trainingslaufrunde hier in Hamburg bei Dr. Kolle vorstellig geworden. Mit der im Vorfeld extern duchgefuehrten Bildgebung (MRT) und Übersendung war ich sehr ueberrascht, das Dr. Kolle bereits vollkommen vorbereitet zu meiner Person im sehr emphatischen Erstgespräch mit nachfolgender physischer Untersuchung meines Bewegungsapparates wir einen Therapieansatz gemeinsam besprachen. Aufgrund meiner zurueckliegenden Erfahrung mit den Standardtherapien (PRT Spritzen und Physio) bekam ich hier teilweise inhaltlich komplett erweiterteTherapieansaetze vorgeschlagen….. Jetzt nach 5 Monaten bin ich beschwerdefrei und wieder zurueck in meinem Lauftraining. Fazit: Dr. Kolle kümmert sich auf eine sehr empathische Art um seine Patienten und geht "patientensspezifisch" in die Therapieform… Meinen herzlichen Dank auch an Ihr Team

    vor 3 Monaten
    Reinhard E.- Google Rezension

    Ich habe Herrn Dr. Kolle seit Jahren als einen stets freundlichen, hoch kompetenten und engagierten Arzt kennen gelernt, der mir stets das Gefühl vermittelte, auf Augenhöhe mit mir zu sprechen. Neben einer erfolgreichen Stammzellen- und Eigenbluttherapie konnte er als "klassischer Orthopäde" meine gesundheitlichen Probleme nachhaltig beseitigen. Dabei ist besonders hervorzuheben, dass er den Patienten nicht nur durch die Brille des Orthopäden sieht, sondern ihn auch ganzheitlich betrachtet und behandelt. Zusammen fassend möchte ich feststellen, dass ich gerne bereit bin, 200 km Anreise in Kauf zu nehmen um von Herrn Dr. Kolle behandelt zu werden.

    vor 6 Monaten
    Alexander Keitum- Google Rezension

    Herr Dr. Kolle ist ein sehr kompetenter und vertrauensvoller Arzt. Er hat meinen Golferarm durch Eigenblutspritzen, Stosswellen- und Magnetfeldtherapien erfolgreich behandelt. Ich bin vollkommen schmerzfrei und kann meinen geliebten Golfsport wieder ungehindert ausüben. Danke Herr Dr. Kolle.

    vor 9 Monaten
    Helene Page – Google Rezension