Ein ziehender Schmerz an der Außenseite des Ellenbogens, der beim Zugreifen, Heben oder Drehen des Unterarms auftritt, ist typisch für einen Tennisarm. Trotz des Namens betrifft er längst nicht nur Sportler, sondern vor allem Menschen, die im Beruf oder Alltag wiederholt zupacken und greifen. Die Beschwerden sind oft hartnäckig, lassen sich aber in den allermeisten Fällen ohne Operation behandeln.
Dieser Ratgeber erklärt, wie ein Tennisarm entsteht, an welchen Symptomen Sie ihn erkennen, wie die Diagnose gestellt wird und welche Behandlungen helfen. Sie erfahren außerdem, welche Übungen sinnvoll sind und was Sie selbst tun können, um wieder schmerzfrei zu werden.
Was ist ein Tennisarm?
Der Tennisarm, medizinisch Epicondylitis humeri radialis, ist eine schmerzhafte Reizung der Sehnenansätze an der Außenseite des Ellenbogens. Dort setzen die Muskeln an, die das Handgelenk und die Finger strecken. Werden diese Muskeln über längere Zeit überlastet, entstehen an ihrem Ansatz am Knochen kleine Gewebeschäden und eine Reizung, die den typischen Schmerz verursacht.
Man spricht auch von einer Tendinopathie der Unterarmstreckmuskulatur. Anders als der Name vermuten lässt, ist Tennis nur selten die Ursache. Häufiger sind es alltägliche und berufliche Belastungen, die immer wieder dieselben Muskeln beanspruchen. Das Gegenstück auf der Innenseite des Ellenbogens ist der Golferarm, der die Beugemuskulatur betrifft und einem ähnlichen Prinzip folgt.
Wie er entsteht
Die Hauptursache ist eine wiederkehrende Überlastung der Unterarmstreckmuskulatur. Typische Auslöser sind Tätigkeiten mit häufigem Greifen, Halten und Drehen, etwa Arbeiten am Computer mit Maus und Tastatur, handwerkliche Tätigkeiten, Heben und Tragen sowie bestimmte Sportarten mit Schlägern. Auch eine ungewohnte oder plötzlich gesteigerte Belastung kann einen Tennisarm auslösen.
Begünstigend wirken eine unzureichend trainierte Unterarmmuskulatur, eine ungünstige Arbeitshaltung und monotone, sich wiederholende Bewegungen ohne ausreichende Erholung. Häufig entsteht der Tennisarm also nicht durch ein einzelnes Ereignis, sondern durch die Summe vieler kleiner Überlastungen über Wochen und Monate. Wer die auslösenden Belastungen kennt, kann gezielt gegensteuern.
Typische Symptome
Das Leitsymptom ist ein Schmerz an der Außenseite des Ellenbogens, der in den Unterarm ausstrahlen kann. Typisch ist ein Druckschmerz genau am knöchernen Vorsprung an der Außenseite des Ellenbogens. Der Schmerz tritt vor allem beim Zugreifen, beim Heben von Gegenständen, beim Drehen des Unterarms und beim Strecken des Handgelenks auf.
Viele Betroffene bemerken, dass ihnen Gegenstände aus der Hand fallen oder dass alltägliche Bewegungen wie das Anheben einer Tasse schmerzen. Im weiteren Verlauf können die Beschwerden auch in Ruhe bestehen bleiben. Weil sich ein Tennisarm ohne Behandlung häufig verschlechtert und chronisch werden kann, ist eine frühzeitige Abklärung sinnvoll.
Diagnose
Am Anfang stehen das Gespräch über die Beschwerden und die beruflichen sowie sportlichen Belastungen und die körperliche Untersuchung. Der typische Druckschmerz und die Schmerzauslösung bei bestimmten Bewegungen gegen Widerstand geben oft schon klare Hinweise. Der Facharzt prüft außerdem Kraft und Beweglichkeit.
Ergänzend kann eine Ultraschalluntersuchung den Zustand der Sehnenansätze beurteilen und Veränderungen sichtbar machen. In manchen Fällen dient eine weitere Bildgebung dem Ausschluss anderer Ursachen. Auf Grundlage der Untersuchung lässt sich die Behandlung gezielt planen und der Schweregrad der Reizung einschätzen.
Konservative Behandlung
Die Behandlung des Tennisarms erfordert vor allem Geduld und Konsequenz. Grundlage sind die Anpassung der auslösenden Belastung und ein gezieltes Aufbautraining der Sehne. Besonders wirksam ist das exzentrische Training, bei dem die Muskulatur unter kontrollierter Dehnung arbeitet und die Sehne schrittweise belastbarer wird. Ergänzend können eine spezielle Bandage oder Spange den Sehnenansatz entlasten und Dehnübungen die Muskulatur lockern.
Wie Sie Arbeitsplatz und Belastung ergonomisch gestalten und Überlastungen vorbeugen, erfahren Sie in unserem Bereich Sportmedizin und Prävention. Von wiederholten Cortison-Spritzen ist heute abzuraten, da sie langfristig das Gewebe schwächen können. Grundlagen zu regenerativen Verfahren erklären wir in unserem Beitrag zur Eigenblutbehandlung in der Orthopädie.
Moderne Verfahren bei hartnäckigen Beschwerden
Halten die Beschwerden trotz konsequenter konservativer Behandlung an, stehen weitere Möglichkeiten zur Verfügung. Bewährt hat sich die fokussierte Stoßwellentherapie, die die Durchblutung und die Heilung der gereizten Sehnenansätze anregen soll. Gerade beim hartnäckigen Tennisarm kann sie neue Bewegung in die Behandlung bringen. Ergänzend kommt die extrakorporale Magnetotransduktionstherapie (EMTT) infrage, eine Magnetfeldbehandlung, die die Regeneration im Gewebe unterstützen soll und sich gut mit der Stoßwelle kombinieren lässt.
Als regeneratives Verfahren kann zudem die Eigenbluttherapie (ACP/PRP) erwogen werden, bei der körpereigene Wachstumsfaktoren die Regeneration der Sehne unterstützen sollen. Das Besondere ist, dass sich diese Verfahren nach aktueller Studienlage gut miteinander kombinieren lassen und sich in ihrer Wirkung ergänzen, statt sich gegenseitig zu ersetzen. So greifen mechanischer Reiz, Magnetfeld und körpereigene Wachstumsfaktoren an unterschiedlichen Stellen der Heilung ineinander.
Damit die Regeneration gelingt, lohnt sich außerdem ein Blick auf die Voraussetzungen im Körper. Eine Stoffwechselanalyse kann zeigen, ob bestimmte Faktoren die Heilung bremsen, denn manchmal heilt eine Sehne gerade deshalb nicht, weil im Hintergrund etwas fehlt. Mikronährstoffe sind dabei die Bausteine der Regeneration und können gezielt ergänzt werden, damit das Gewebe alles hat, was es zum Aufbau braucht. In Kombination mit gezieltem Training lässt sich so häufig eine deutliche Besserung erreichen. Eine Operation ist nur in seltenen Fällen notwendig, wenn alle konservativen Möglichkeiten über einen langen Zeitraum ausgeschöpft sind.